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Das Streitschlichterprogramm

 
Von: Meike Juretzki
 

Wer schon seit mehreren Jahren im Schuldienst ist, weiß, dass die Aggressivität unter den SchülerInnen immer mehr zunimmt. Da hilft es auch nicht, wenn man als Lehrer oder Lehrerin immer wieder dazwischen geht, um Streitereien zu schlichten und schlimmere Ausschreitungen zu verhindern. Leider haben Kinder heute nicht mehr gelernt mit Konflikten anders umzugehen als mit Gewalt. Daher muss Schule immer mehr die Aufgabe haben, Kindern Alternativen zur Konfliktbewältigung an die Hand zu geben und ihnen Möglichkeiten zur eigenen Schlichtung zu bieten. In dem Buch von Karin Jefferys-Duden „Das Streitschlichter-Programm“ wird in einer ausführlich beschriebenen Unterrichtseinheit mit Materialien beschrieben, wie Kinder ab Klasse 3 als sogenannte Schlichter selbstständig Konflikte in einer Gruppe lösen können. Dabei geht Jeffreys-Duden von dem Begriff der Mediation aus, bei dem zwei Konfliktparteien durch eine dritte unparteiische Person zu einer für beide Seiten annehmbaren Lösung kommen. Der Streitschlichter hat hier die Aufgabe eine Struktur zur Konfliktlösung den Streitenden anzubieten, um auf dieser Basis eine Schlichtung zu erreichen. Diese ritualisierte Konfliktbearbeitung hat soziale Funktion: „Die Kinder erhalten die Gelegenheit sich zu beruhigen, sich mitzuteilen, sich verstanden zu fühlen und gewinnen Kontrolle über Streitablauf und Lösung“ (Jeffreys-Duden, S.11).
Das Buch „Das Streitschlichter-Programm“ beschreibt ausführlich die Ausbildung von Schülern als Streitschlichter. „Wichtig ist dabei, dass alle Schüler die Möglichkeit erhalten, Schlichtung zu praktizieren, denn gerade die sozial weniger kompetenten profitieren davon am meisten, und die aggressiveren verpflichten sich (indirekt), die in der Schlichtung betonten gewaltfreien Prinzipien bei eigenen Konflikten anzuwenden, wenn sie nicht unglaubwürdig werden wollen“ (Jeffreys-Duden, S.12). Das beschriebene Training besteht aus 6 Unterrichtssequenzen und beinhaltet folgende Themenschwerpunkte zum Üben:
- Einander zuhören,
- Paraphrasieren (in eigenen Worten wiedergeben,was der andere gesagt hat),
- nonverbal ausgedrückte Gefühle erkennen,
- Konfliktgegenstände und Lösungsmöglichkeiten kennen lernen,
- den Streitschlichterablauf beherrschen,
- mit einem Partner im Schlichtungsgespräch kooperieren. (vgl. Jeffreys-Duden, S.12)
Ein abschließendes Kapitel stellt Möglichkeiten zur Erfolgskontrolle dar, in denen SchülerInnen und LehrerInnen eine Rückmeldung über die Streitschlichtungen erhalten.
„Das Streitschlichter-Programm“ aus der Praxis-Reihe des Beltz-Verlages ist ein einfacher und ausführlich beschriebener Leitfaden zur Ausbildung von Schülerinnen als Streitschlichter. Das mit Materialien vorgestellte Programm bietet eine Möglichkeit den SchülerInnen Alternativen der eigenen Konfliktbewältigung anzubieten. Es fördert soziales Lernen, indem Kinder das Problem von Aggressionen in der Schule selbst in die Hand nehmen und zu eigenen Lösungen finden. Soziale Kompetenzen werden aufgebaut.

Fazit: Insgesamt ein interessanter Ansatz zum sozialen Lernen, der Erfolg verspricht und in einer Schule institutionalisiert werden kann, um das Schulklima zu verbessern und Kindern den Umgang mit Gleichaltrigen zu erleichtern.


Preis: 24,90 EUR
ISBN: 978-3-407-62628-8
Bezugsquelle: im Fachhandel
Rezension von: Meike Juretzki

Verlagsgruppe Beltz